Das Leben des Mecklenburger Seemannes Otto Bastian verlief durch die Ereignisse des ersten Weltkrieges total anders als er und seine Familie es sich gewünscht hatten. Fern der Heimat in Chile hielt er es nicht mehr aus auf seinem internierten Segelschiff, der “Viermastbark Lisbeth” auf der Reede des trostlosen Iquique. Er verließ das Schiff heimlich und suchte einen Weg nach Hause, nach Wismar in Mecklenburg. Das gelang ihm nicht, aber es gelang ihm, auf einem amerikanischen Schiff unter falscher Identität, „falscher Flagge“, wie er es mal ausdrückte, nach Honolulu zu kommen. Dort beantragte er unter seinem erfundenen dänischen Namen „Jens Ettrup”, geboren auf Bornholm, eine Einbürgerung als US-Amerikaner. So wurde er 1921 zum amerikanischen Staatsbürger mit vorgeblich dänischer Herkunft. Otto alias Jens kehrte erst im Rentenalter 1959 das erste Mal in seine Heimat mit dem Flieger zurück. Er hatte 1920 bereits eine geborene Norwegerin in Seattle geheiratet, schenkte zwei Töchtern das Leben, und arbeitete sein Leben lang auf Schiffen oder mit Schiffen im Hafen. Die Westküste der USA von Alaska und bis zur mexikanischen Grenze waren sein Fahrensgebiet gewesen, seit er dort über Honolulu angekommen war. Als aktiver Rentner war er viel unterwegs und hatte Kontakt zu verschiedenen Museen und Vereinigungen, die sich für die Seefahrt begeisterten. Er suchte den Kontakt zu seinen alten “Mackern”, mit denen er gefahren war. Er unternahm mehrere Reisen nach Europa in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Er besuchte jeweils die Jahresversammlungen des Deutschen Schulschiff-Vereins (D.S.V.), lernte Kapitän Heinz Burmester und Kapitän Scharrnbeck aus Hamburg kennen und korrespondierte mit ihnen. Weiterhin entstanden eine Brieffreundschaft und zwei Treffen mit meinem Schwager Klaus Lehmbecker, der den Kontakt seinem 1980 verstorbenen Vater Dr. Walter Lehmbecker verdankt. Dort hatte Otto, alias, Jens 1979 Kontakt aufgenommen, weil Dr. Lehmbecker als geborener Mecklenburger und Fritz Reuter Experte in Kiel bekannt war über die Stiftung Mecklenburg und die Landsmannschaft. Mecklenburg.
In seinen weit über 100 Briefen schildert er immer wieder Teile seines abenteuerlichen Lebens. So entstand eine Fülle an Informationen und Geschichten über die Erlebnisse des Fahrensmannes auf den verschiedensten Schiffen und in den verschiedensten Gewässern. Mein Schwager kam im Herbst 2019 mit einem dicken Packen Briefe von Otto Bastian/Jens Ettrup zu mir und meinte, ob ich damit nicht etwas machen wollte, weil er dazu aufgrund vieler anderer Aufgaben nicht in der Lage sei. Er hatte immer vor, die Geschichte von Otto Bastian zu Papier zu bringen. Das hat er mir nun auferlegt. Was mich natürlich beglückt hat, da ich gerne solche Lebensgeschichten erforsche und aufschreibe.
Es gibt schon eine Kurzversion dieses Seemannsschicksals, geschrieben vom Kapitän und Autor Heinz Burmester, veröffentlicht in zwei Ausgaben des „Albatros”, dem Mitteilungsblatt der Deutschen Kap Horniers (Ein deutsches Seemannsschicksal in „Der Albatros”, Heft 1 und 2/1978). Das Buch wird weitaus ausführlicher und dokumentiert auch die Zeit bis zu seinem Ableben 1986.
Mit Burmester hatte Bastian in den 1970er Jahren Kontakt aufgenommen und ihm sein Leben in Briefen und Gesprächen geschildert. Ein Teil seiner Geschichte findet sich auch in dem Buch von Burmester „Die Viermastbark Lisbeth ex Pendragon Castle“,1982.

Das Buch ist seit dem 20. August 2021 bestellbar beim Shop von Bookmundo, beim Autor oder in jeder Buchhandlung unter der

ISBN: 9789403627458.

Hardcover, Format (210mm x 279mm) 172 Seiten mit diversen historischen Aufnahmen und Dokumenten zum Preis von 25,00€.

 

Otto Bastian wurde am 11. Oktober 1894 in Warin in Mecklenburg geboren. Seit 1909 fuhr er zur See.
1915 wurde er zum Dänen Jens Ettrup, geb. am 3. Mai 1891 auf Bornholm.
1956 ging Ettrup in den Ruhestand.
Am 1. Juli 1986 verstarb Otto Bastian als Jens Ettrup in  La Conner, Skagit County, Washington, USA.

Allein unter falscher Flagge -Warum der Mecklenburger Seemann Otto Bastian als Däne Jens Ettrup zum Amerikaner wurde

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Jens Ettrup 1984 bei einer Versammlung (Foto Sammlung Lehmbecker)

Die gesammelten Briefe,  Fotos und andere Unterlagen, die für das Buch verwendet wurden, sind seit dem 15. Oktober auf Wunsch von Klaus Lehmbecker in Brake im Schiffahrtsmuseum Unterweser in guten Händen bei der Museumsleiterin: Dr. Christine Keitsch.

im Haus Borgstede & Becker
Breite Straße 9, 26919 Brake

 

Ettrup
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Mit der Viermastbark John Ena kam Otto Bastian als Jens Ettrup 1916  nach Honolulu und beantragte die US-Staatsbürgerschaft.